Restauration der St. Katharinen-Kapelle 1896

In den Jahren 2014/15 wurden die Katharinen-Kapelle in Külsheim renoviert. Feierliche Wiedereinweihung war am Sonntag den 17. Mai 2015. Die Fränkischen Nachrichten berichteten hierüber, siehe hier.

Die Kapelle wurde bereits 1896 renoviert. Alois Spiesberger berichtet hierüber im Memorabilienbuch der Pfarrei Külsheim. Das nachfolgende Bild stammt aus 1925, es wurde von Wilhelm Kratt (1887-1968) fotografiert.


Külsheim Katharinen-Kapelle, Außenansicht von Nordwesten. Quelle: Deutsche Digitale Bibliothek

Bericht zur Restauration der St. Katharinen-Kapelle 1896

"Da die St. Katharinen-Kapelle, auch Stadt-Kapelle genannt, schon länger als die Pfarrkirche restaurationsbedürftig war, indem diese seit dem Jahre 1856 letztmals renoviert wurde, so entschloß man sich, auch diese gleichzeitig mit der Pfarrkirche restaurieren zu lassen, weil doch die Erzbischöfliche Aufsichtsbehörden zu gleicher Zeit hierher kämen. Es wurde vom Erzbischöflichen Bauamt ein Voranschlag der 4.669 Mark 11 Pfg. betrug, aufgestellt und unter dem 21 März 1895 zur Submission ausgeschrieben. Diese Kapelle hatte aber nicht viel eigene Mittel, bloß Erträgnisse eines kleinen Waldes, „Kapellenschlag“ genannt, - so wurde von Herrn Stadtpfarrer Nörbel in der Kirche verkündet, daß die Katharinen-Kapelle auch hergerichtet werden solle und diese Mittel aber nicht reichen, so möchte man die Mildthätigkeit guter Herzen in Anspruch nehmen und wurde zu diesem Zwecke eine Einzeichnungsliste vom Hochw. Herrn Pfarrer ins Haus der besser situierten Leute gebracht. Nach eingeholter amtlicher Erlaubnis, brachte dann der Herr Pfarrer diese Einzeichnungsliste in die Häuser, wo demselben in einem Tag über 5.000 Mark gezeichnet wurden, was Veranlassung gab, diese Kapelle noch schöner, als zuerst geplant war, herzurichten, ihr insbesondere ein neues schönes Dach zu geben und den Thurm neu decken zu lassen.

Dieselben hiesigen Handwerksmeister welche die Kirchenarbeiten zu fertigen hatten, bekamen auch diese Kapellenarbeit, mit Ausnahme der Zimmererarbeiten, welche Karl Joseph Höfling von hier und die Schreinerarbeiten, welche Franz Martin Schätzlein von hier erhielt.
Am 8. Juli 1895 begannen die Maurerarbeiten, mit Dachabdecken; Andern Tags kam die Uhr hinweg, es wurde der neue Uhrenhäuschengiebel aufgemauert. Einige Wochen stand das Dach auf, aber es war immer schönes Wetter. Von Ende Juli bis 2. Oktober regnete es nur einmal einen halben Tag, sonst war es immer schön.
Den 16. August wurde die neue Helmstange und das Kreuz auf den Thurm gesetzt und dann gedeckt. Am 1. und 2. Oktober wurden die neuen Glasfenster von Eugen Börner in Offenburg eingesetzt. Jedes derselben kostete 400 Mark. - Die Tünchner verputzten die Kapelle vom 1. bis 5. Oktober. - Die Uhr kam am 11. Oktober wieder an ihren Platz, das Zifferblatt ist noch dasjenige der alten Uhr von 1570. - Die Ziffern sind erhaben geschnitzt und vergoldet. Weil dies noch nicht defekt war, wurde es wieder hinauf gemacht. - Es ist 1,45 Meter hoch und 1,36 Meter breit.
 
An der linken Seite ist das Wappen des damaligen Churfürsten und Erzbischofes Daniel von Brendel, unter dessen Regierung diese Uhr errichtet wurde. Rechts ist das nunmerige badische Wappen gemalt.

Erbaut wurde diese Kapelle durch den hiesigen Domherrn Georg Birser s.Z. in Regensburg, unter der Regierung des Churfürsten Theodorich von Erbach, in den Jahren 1439-1444. Der Stiftungssbrief von demselben ist datiert: Mainz, 28. März 1439.
Weil Külsheim in jenen Jahren an den Grafen Johann von Wertheim verpfändet war, so ist dessen Wappen an einem der Gewölbeschlußsteine im Innern der Kapelle angebracht.

Als die Empore in der Kapelle abgebrochen wurde, wurde auch an der hinteren Wand derselben ein schönes Ölgemälde die 12 Apostel darstellend, abgenommen und in den Kirchenspeicher gebracht, ebenso die vom hiesigen Maler Gustav Seitz, im Jahre 1838 gemalten 14 Stationen, die ringsum in der Kapelle hingen. Auch der Hochaltar mit den zwei Seitenaltären, wurde abgebrochen und auf den Kirchenspeicher verbracht, wo sie noch heute sind. Ein nachfolgender Pfarrer möge diese Sache an arme Kirchen oder neuzubauende Kapellen verkaufen oder verschenken.
In dem Mauerwerks - Aufbau, in jedem dieser Altäre befanden sich je in einem dicken Glas, Gebeine von Heiligen, welche der Hochw. Herr Pfarrer mit dem Glas herausnahm und an das Hochwürdigste Erzbischöfliche Ordinariat nach Freiburg sandte, von welchem dann nach Aufbau des neuen Altars, ein sogenannter Tragaltar kam, und wieder eingelassen wurde.
Im Innern der Kapelle wurden die Wände und Decken getüncht und bemalt und bei geheiztem Raum diese Arbeiten fortgesetzt.

Am 20. November 1895 wurde außerhalb der Kapelle nochmals ein Gerüst gemacht und die oberhalb der vorderen Eingangsthüre in einer Nische befindliche St. Marienstatue heruntergenommen, und dieselbe auf den Kirchvorplatz verbracht.

Die Nische theils so zugemauert, daß eine Console unten und ein Baldachin oben eingemauert wurden um darauf eine neue St. Katharinen - Statue zu stellen, welche von dem Bildhauer Julius Seitz in Freiburg i/B. gefertigt und von den hiesigen Eheleuten Franz Martin Adelmann und dessen Ehefrau Maria geb. Pahl mit 400 Mark bezahlt wurde. Die Console kostete 30 Mark; Baldachin 60 Mark; die Kreuzblumen darauf 60 Mark. Die Blumen vom Bildhauer Ziegler in Tauberbischofsheim gefertigt. Gerüst 25 Mark. Auch dieses alles wurde von obigen Eheleuten Adelmann bezahlt.
Bei größerer Kälte wurden dann die Arbeiten eingestellt. Im Mai 1896 kam dann Maler A. Glassen von Heidelberg und malte in 4 Wochen den hl. Kreuzweg an die Wände. Vom 6. Juli an wurden Chor - und Langhaus mit Straßburger Plättchen geplättelt.
Am 16. Juli wurde der Altar aufgestellt. Dieser war vom Hochw. Herr Pfarrer Nörbel schon vor einigen Jahren in Freiburg i/B. um 1.800 Mark gekauft worden, und wurde bereits von einigen Gutthätern bezahlt. Derselbe kostete neu - von Herrn Marmon, Bildhauer in Sigmaringen, gefertigt, - im Jahre 1873 5.000 Mark.
 Nachdem die Malerarbeiten vollendet waren, wurde die Kapelle gereinigt und am Sonntag den 2. August 1896 erstmals wieder die Stationen gebetet und zwar diesmal von Herrn Pfarrer Nörbel selbst, wonach derselbe auch eine Ansprache über die Restauration hielt. Die Stationen wurden nun fortan, wie früher von den Leuten, jeden Sonn- und Feiertag weiter gebetet, wie solche schon seit dem Jahre 1758 hier eingeführt sind. Da nun auch wieder ständige Kapläne hierher kamen, indem der Priestermangel aufgehört hatte, wurde nun auch wieder öfters Gottesdienst in der Kapelle gehalten, was auch der alten Leuten wegen fortdauern möge.

Der Aufwand für die Arbeiten der Restauration der St. Katharinen - Kapelle betrug:
 1.Bauleitung, Aufsicht, Diäten u. dergl.591,42 Mark
 2.Grabarbeit29,12 Mark
 3.Maurerarbeit1.471,09 Mark
 4.Steinhauerarbeit1.426,48 Mark
 5.Verputzerarbeit761,64 Mark
 6.Zimmermannsarbeit760,16 Mark
 7.Schlosserarbeit677,05 Mark
 8.Schreinerarbeit580,01 Mark
 9.Malerarbeit2.337,00 Mark
10.Fassung des Hochaltars1.012,00 Mark
11.Pflastererarbeit116,00 Mark
12.Schieferdeckerarbeit261,70 Mark
13.Blechnerarbeit532,55 Mark
14.Glasmalerei f. Fenster1.790,10 Mark
15.Drahtgeflechte f. d. Fenster182,50 Mark
16.Falzziegellieferung1.111,60 Mark
17.Tonplättchen z. Pflastern d. Bodens322,73 Mark
18.Insertionsgebühren25,45 Mark
19.Verschiedenes13,90 Mark
Summa14.002,49 Mark
Die Mittel zur Bezahlung dieser Restaurationsarbeiten wurden wie folgt beigebracht:
 1.Vom Oberstiftungsrath in Karlsruhe wurden aus dem Kapellenfond genehmigt3.800,00 Mark
 2.Vom Kapellenschlagwald - Auslichtung im Jahre 1895 Erlös285,00 Mark
 3.Vom Kapellenschlagwald - Auslichtung im Jahre 1896 Erlös506,55 Mark
 4.Von bereits zu diesem Zweck gemachte Stiftung3.385,56 Mark
 5.Von bereits gezeichneten & nochmals erbetenen, freiwilligen Beiträgen & Spenden6.025,38 Mark
ergibt obige14.002,49 Mark

Außerdem wurden durch freiwillige weitere Spenden für die St. Katharinen-Kapelle angeschafft:
Ein ganz neuer Kirchenornat als: drei Meßgewänder mit Zubehör in Weiß; Schwarz und Roth. Dies Letztere vom Nachbar Karl Behringer, Kaufmann, gestiftet. Die übrigen von ungenannten Gutthätern. Ebenso die Alben und Altartücher, wie auch die Ministrantenröcke.
So wurde denn zur größeren Ehre Gottes, auch diese Dinge angeschafft.
Schließlich will ich noch etwas bemerken. Bei der Reparatur durch die Maurer, wurde vorne links im Chore, auf der Evangelienseite, ca. ½ Meter von dem Boden, in der Mitte der Seitenmauer, ein gemauertes geheimes Fach gefunden, in welches wahrscheinlich in den Kriegszeiten die kirchlichen Geräthe versteckt wurden. Es wurde gerade wieder so zugemacht wie es war. Um es zu finden, genügt es, wenn man die Wand beklopft, da hört man es am dumpfen Ton.
Für den Fall, daß mit der Zeit noch eine zweite Glocke in den größeren Thurm angeschafft wird, was heute schon der Wunsch vieler hiesiger Einwohner ist, so wurde bei dieser Reparatur ein Seilrohr oben in die Chordecke eingemauert und von unten darüber verputzt und unsichtbar gemacht, weil es der Herr Pfarrer seiner Zeit nicht leiden wollte, daß noch eine Glocke hinaus kommt.
Im Speicherraum des Chorgewölbes kann man aber später noch dieses Seilrohr finden und den Verputz mit dünnen Instrumenten durchstoßen."

Aus den Aufzeichnungen im Memorabilienbuch der Pfarrei Külsheim, geschrieben von Alois Spiesberger. Übertragen von Otto Spengler 2015

Külsheim Katharinen-Kapelle, Außenansicht von Nordosten. Quelle: Ausschnitt Postkarte

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