2. Großer Brand in Külsheim 1871

Im Jahre 1865 im September war in Külsheim ein großer Brand. Damals meinte man, es werde in hundert Jahren nicht mehr brennen. Gleichzeitig wurde der Wunsch nach einer eigenen Feuerwehr immer lauter. Denn damals konnte nur durch das Eingreifen der wohlgeübten Feuerwehren aus Hardheim, Wertheim und Tauberbischofsheim eine totale Katastrophe verhindert werden.
...Nach dieser Katastrophe war es allgemein der Wunsch, daß auch in Külsheim eine Feuerwehr organisiert werde und hatten sich deswegen auch sogleich an die 60 junge Männer zum Beitritt gemeldet. Die Gemeindebehörde allein spöttelte über alle, welche die Errichtung der Feuerwehr befürworteten und als die angemeldete zum Beitritt bereitstehende Mannschaft verlangte, daß ihr wenigstens teilweise die Montur und selbstverständlich die weiter erforderliche Gerätschaften auf Kosten der Gemeindekasse angeschafft werden sollten, so konnte sich der Gemeinderat in seiner Weisheit zur Gewährung nicht entschließen und die Errichtung einer Feuerwehr unterblieb, um so mehr, da der Bürgermeister prophezeite "daß es in hundert Jahr nimmer hier brennt".

Daß diese bürgermeisterliche Prophezeiung ohne höhere Eingebung geschehen ist, hat sich bald erwiesen, da bald wieder Feuer ausbrach, das jedoch schnell wieder gelöscht werden konnte. Sollte sich fragliche Prophezeiung nur auf größeren Brand bezogen haben, so hat sie jedoch auch darin jetzt schon nach 6 Jahren ihre Geltung verloren, denn: abermals in Külsheim ein großer Brand!
Am Montag den 30. Oktober 1871 frühe ½ 2 Uhr erscholl der erschreckende Feuerruf nach allen Richtungen der Stadt und die Glocken verkündeten alsbald das ausgebrochene Unglück in wehmütigen Tönen in die Nähe und Ferne und schon stiegen Feuersäulen hoch zum Himmel empor, als die Ortsleute aus dem Schlafe gerissen, sich nach der Brandstätte umsahen.
In der mit Futter, Frucht und Stroh angefüllten Scheuer des Landwirts Georg Joseph Höfert, in der Nähe des Gasthauses zum Adler, soll das Feuer ausgekommen sein, wo die Häuser und Scheuern ganz eng zusammengebaut waren. Daher kam es, daß das Feuer in aller Schnelligkeit die benachbarten, ebenfalls gefüllten Scheuern ergriffen hat, ehe die Leute zur Hilfe kommen konnten. Nach Verlauf einer Stunde standen schon 9 Scheuern mit Früchten, Heu und Stroh in vollem Brande, obgleich die hiesigen Einwohner mit allem Fleiße dagegen kämpften.
Als endlich Hilfe von allen benachbarten Orten heranrückte und viel Mannschaft mit 10 Feuerspritzen, besonders auch zu nennen die erprobte Feuerwehr von Hardheim, so konnte wohl von den in Brand stehenden Scheuern nichts mehr gerettet werden, dagegen war die Löschmannschaft angewiesen, mit aller Kraft und Mitteln der Feuerspritzen und Schläuchen dahin zu wirken, daß das Feuer nicht weiter um sich greife, was endlich auch gelingen ist.
Obgleich die Holzwände der anstoßenden Häuser schon zum Teil glühten, so wurden doch diese gerettet, so daß diese Häuser sehr beschädigt wurden, doch aber kein Haus verbrannt ist, indem das Feuer auf den Herd von 9 Scheuern beschränkt blieb, welche aber auch bis auf die Grundmauern niedergebrannt sind.

Für Külsheim war es ein Glück, daß es mondhell war und kein Wind ging.

Brandgeschädigt 
Von vorbezeichnetem Brandunglück wurden betroffen:
1. Georg Joseph Höfert,
2. Johann Joseph Arnold Ww,
3. Franz Joseph Bechtold,
4. Michael Köhler,
5. Sebastian Pfohl,
6. Johann Martin Reinhart,
7. Franz Joseph Seubert,
8. Martin Köhler,
9. Johann Joseph Schüßler,
10. Adlerwirt Peter Grimm, und
11. Franz Joseph Greiner.
Die meisten der vorgenannten hatten ihre Fahrnisse versichert und wurden zur Zufriedenheit entschädigt. Mehre haben dagegen zu bereuen, daß sie es nicht getan haben.

Ehemaliges Anwesen des Sebastian Pfohl, im Hof neben der Sparkasse aufgenommen. Bis hierhin ging der Brand in östlicher Richtung. Das andere Ende des Brandes war die Alte Gasse. Man sieht auf dem Bild noch verbrannte Balken oben rechts. Das Holz/Lehm Flechtwerk ist verbrannt, und die verbrannte Ausfachung  durch eine Vermauerung mit Ziegeln geschlossen worden. Aufnahme 2013.
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Nach diesem traurigen Erlebnis wird wieder der Wunsch ausgesprochen, daß eine geordnete Feuerwehr auch für hier errichtet werden möge, da solches Unglück wieder eintreten kann, bevor hundert Jahre umlaufen sind.
Da jetzt das Großherzogliche Bezirksamt mit Zwang einschreitet, daß nolens-volens eine Feuerwehr errichtet werden muß, so läßt sich hoffen, daß endlich auch eine solche zu Stande kommen wird, denn ohne höhere Veranlassung und Betrieb geschieht hier fürs Beste nichts. Über den Erfolg der zu errichtenden Feuerwehr soll dann später Notiz gegeben werden.

Verschiedene Brandausbrüche 1896-1898 
Sonntag den 9. August 1896 nachts 12 Uhr hat es in jenem Hause gebrannt, vor dem der Untertorbrunnen steht. Dieses Haus gehört Michael Wolpert, Michaels Sohn. Wie der Brand entstand, ist nicht geklärt worden. Leider verbrannte auch in diesem Hause seine Schwägerin Anna, Maria Eisenhauer, geb. Schmitt, die Schwester der Frau des Michael. – Michael Wolpert wollte sie retten, aber weil sie eine etwas blödsinnige Person war, lief sie an ihrem Zimmer vorbei die Stiege hinauf und gerade ins Feuer hinein. Als man sie später fand, fehlten Arme und Beine, der übrige Körper war ein schwarzer Klumpen. Es sind damals zwei Häuser, drei Scheuern und verschiedene Nebengebäude abgebrannt. 
Kaum einige Monate später auf Sonntag den 11. Oktober wurde in dem Hause rechts vom Löchleinsbrunnen Brand gelegt, wurde aber sofort durch den Geruch entdeckt und alsbald gelöscht.
Im folgenden Jahr 1897 war kaum die Scheuer von dem ersten Brand, bei dem die Frau starb, wieder aufgebaut worden, als wieder auf Sonntag den 18. Dezember, Brand gelegt wurde in der Scheuer des Schuhmachers Karl Joseph Düll, wobei der Brand an der sogenannten Feuerwehrstraße abwärts verlief bis zu dem Ende des vorjährigen Brandes, wobei auch wieder vier Scheuern und ein Wohnhaus zum Opfer fielen. Entdeckt wurde der Täter auch in diesem Falle nicht.
Auch im Jahr 1898 brannte es am Feiertag, -Maria Empfängnis -abends um 11 Uhr, wieder ein gelegter Brand in der Scheuer des Hona Hahn, gerade an der Stelle, wo das Abflusswasser des Obertorbrunnens sich in den unteren Güßgraben ergießt. Es brannten da drei Scheuern nieder. Der Täter wurde, wie in den drei anderen Fällen, nicht gefaßt.

Aus dem Memorabilienbuch von Pfarrer Zimmermann
Übertragen von Otto Spengler

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