Das Külsheimer Spital

Man wird in späterer Zeit davon sprechen, daß die Stadt Külsheim auch ein Spital hatte. Aber niemand wird nach längerer Zeit darüber Auskunft geben können. Es wird daher gut sein, auch hierüber einige Notizen zu geben.

Das sogenannte Spital wurde im Jahre 1484 von dem Altaristen (Priester) Johann Klein gestiftet.

Nach dem Stiftungsbriefe hat der Stifter sein Haus und einige Güter der Stadt Külsheim (Bürgermeister und Rat) übergeben, mit der Bestimmung, daß sie  das Haus in gutem Stande erhalten und die Stiftung dazu verwenden soll, um armen Pilgern und anderen Armen Unterkunft zu geben

Es sollen jedoch Pilger und andere Arme nicht länger als über Nacht beherbergt werden, es sei denn, daß der Arme erkrankt, dann soll er bis zur Gesundung im Spital bleiben. Das Haus vertrat daher die Stelle eines Nothauses, welches unter gemeinderätlicher Aufsicht unter Hinzuziehung des Ortsgeistlichen stand und in welches sowohl fremde als einheimische Pilger, Arme und Kranke aufzunehmen waren. Insbesondere konnte es jedoch auch nach dem Willen des Stifters zur Verpflegung von kranken Handwerksgenossen und Dienstboten benützt zu werden, auch war es gestattet, eine geeignete gesunde Person oder eine Familie in einem Teil dieses Hauses aufzunehmen, um die Aufsicht zu führen und die Krankenpflege zu besorgen.

Fragliches Haus stand am oberen Gießgraben und war das Eckhaus der Gasse, welche daher den Namen „Spitalgasse“ führte. Es war zweistöckig, mit dem Eingang an der Giebelseite, wo das Bächlein nahe daran vorüber floß und war mit Ziegeln gedeckt.

War der Hauptzweck dieser Stiftung den Pilgern und armen Reisenden Unterkunft zu verschaffen, so änderte sich dieses, als insbesondere die Pilgerschaften im Laufe der Zeit aufhörten. Und als die reisenden Handwerker dann auch mehr Unterkunft in den ‘Handwerker-Herbergen’ in den Wirtshäusern fanden, so diente dann das fragliche „Spital“ nur der Gemeinde, um darin armen Leuten des Ortes Wohnung zu geben. So war dann das „Spital“ nichts weiter als ein „Armenhaus“.

Die Verwaltung dieser Stiftung stand bis 1869 unter besonderer Stiftungskommission, in welcher der Pfarrer den Vorsitz hatte. Da aber diese Stiftung als eine weltliche betrachtet wurde, so kam sie dann 1869 unter die Verwaltung der Gemeinde. Außer dem Haus gehörte dazu ein Fond von 1.600 Gulden.

Stand dieses Haus schon 1484, als es Johann Klein zum Spital stiftete länger als 400 Jahre, so läßt sich denken, daß es zur Unterhaltung manche Reparatur erforderte; endlich aber sich nicht mehr reparieren ließ und ganz baufällig geworden ist. Es wurde daher amtlich befohlen, es einzulegen. Auf dieses wurde zum Abbruch versteigert um 90 fl (Gulden).

Die Feuerwehr hat es sofort als Übung am 30. Januar 1872 eingerissen und das „Spital“ von Külsheim hat somit sein Ende erreicht.

 Verwendung des Spitalplatzes

Da das alte Spital abgerissen war, und nicht der Wunsch bestand ein neues zu errichten, wurde dieser Platz versteigert. Aus zweiter Hand kaufte ihn dann der hiesige Bürger und Schmied Johann Paulus Beierstettel und baute darauf 1873 eine Schmiede-Werkstatt, was zu bleibendem Andenken an das ‘Spital’ von Külsheim vermerkt sein soll.

Verbesserung der Spitalstraße

In Folge dessen, daß der Eingang in die Spitalstraße durch Neubau der abgebrannten Häuser (Grossbrand im Jahre 1865) bedeutend erweitert wurde und durch Beseitigung des alten Spitalgebäudes die Straße freundlicher wurde, so war es nötig, sie auch in besseren Stand zu setzen. Zu diesem Behufe wurden 1874 Rinnen gepflastert und sofort der Weg hiernach straßenmäßig beschaffen, so daß er jetzt befahren werden kann, was früher fast nicht möglich war.
Somit wieder ein Stück Fortschritt und ein Stück Dreck weniger.

Neues Spital in Külsheim

Daß die Gemeinde durch Geschenk eines Wohnhauses samt weiterem Vermögen von einem Geistlichen -Herrn Altaristen Johann Klein- zu einem ‘Spital’ gekommen ist, wurde weiter oben beschrieben. Ebenso ist dort auch aufgeführt, daß dieses Spital durch sein Alter in Verfall gekommen und 1872 ganz eingegangen ist.
Weil das bisherige Spital mit seinem Fond unter Staatsaufsicht gestanden hatte, und über dessen Fond öffentlich Rechnung geführt wurde, so drang die Staatsbehörde darauf, daß nach Eingang des alten, ein neues Spital errichtet werden sollte, oder auf welch andere Weise ersetzt werden.

Diesem zu entsprechen wurden verschiedene Projekte gemacht. Ein Neubau wurde im Voraus abgelehnt, weil mit dem disponiblen Geld des Spitalfondes von 1.600-1.800 fl nicht viel auszuführen war und die Gemeinde eine große Summe beizutragen gehabt hätte. Das erste Projekt wurde daher beiseite gelegt.

Das zweite Projekt war: einen Teil der Schloßscheuer zum Spitale einzurichten. Ein Bauverständiger wurde beauftragt, darüber einen Bauplan zu fertigen. Dieses geschah. Da aber der Kostenbeitrag sich über 800 fl. stellte, und voraussichtlich noch einige Tausende mehr erforderte, so wurde davon abgegangen.

Ein drittes Projekt war dann: das alte Schulhaus, dem Pfarrhaus gegenüber, zum Spital zu verwenden, dagegen die Schule und die Wohnung des Lehrers in das Schloß zu verlegen. Abgesehen davon, daß diese doppelte Kosten machen wird, wurde dieser Vorschlag von der Polizei- und Sanitätsbehörde im Voraus nicht genehmigt, weil ein zu errichtendes Spital in der Voraussicht epidemischer Krankheiten außerhalb der Stadt zu stehen kommen soll. Sofort mußte auch das dritte Projekt beiseite gelegt werden.
Was nun jemand schon zu Anfang in Vorschlag gebracht hatte, das kam dann als viertes Projekt zur Spitalerrichtung in Ausführung.

Jemand brachte nämlich schon zu Anfang dessen, daß ein neues Spital erbaut oder ein anderes Gebäude zu diesem Zwecke erworben werden soll,- in Vorschlag: das dem Schneidmüller Franz Martin Schätzlein gehörige und nächst dessen Schneidmühle stehende noch neue Haus zu  kaufen und zum neuen Spital einrichten zu lassen, da fragliches Haus vor der Stadt etwas abgelegen, daher zum Spitale ganz geeignet sei und die Ankaufsumme von dem disponiblen Gelde „Spitalfond“ bestritten werden könne, ohne die Gemeindekasse zum Beitrag ins Mitleid ziehen.
Das wollte den weisen Rathausherren nicht einleuchten; vielleicht darum, weil dieser Vorschlag nicht von ihnen ausgegangen war und es mit ihrer Ehre in Widerspruch kam, einen Rat von einem Anderen anzunehmen und nach diesem zu verfahren. Daher kamen die im Voraus angeführten überzwergen Projekte, in deren Ausführung sich die Gemeinde, in ihrer Weisheit, in große Kosten und selbst Schulden versetzt hätten. Geschah bisher überhaupt nichts, wenn es nicht vom ‘Amt’ befohlen wurde, so geschah es dann auch in diesem Falle. Erst als der Großhzl. Bezirksbeamte bei seiner Ortsbereisung das fragliche Haus selbst ansah, und zu einem Spitale für hier als geeignet erkannte und selbst dann für ratsam hielt es zu kaufen, wurden Schritte dazu getan. Jetzt wurde mit Schneidmüller Franz Martin Schätzlein unterhandelt; und während derselbe dieses Haus samt Garten ein Jahr vorher gerne um 1.300 fl. abgegeben hätte, so kauften es jetzt die Rathausherren um 1.400 fl. zum Zwecke eines neuen Spitales. Dieser Ankauf erhielt dann auch von der Oberbehörde die Genehmigung und wurde sofort im Herbste 1874 zur Einrichtung geschritten.

Aus den Aufzeichnungen des Pfarrers Zimmermann
Übertragen von Otto Spengler

Nachtrag zu dem Thema Spital

Auf Antrag des Großh. Bezirksamtes vom 23. September 1899 hat der Gemeinderat den Verkauf des Armenhauses beschlossen wenn der Erlös aus dem Verkauf 2.600 Mark beträgt. Dazu hat der Bürgerausschuß am 6. Dezember 1900 seine Zustimmung erteilt.

Es wurde zur Versteigerung angeboten:
Ein zweistöckiges Wohnhaus mit daranstoßendem Garten, Kellereingang außerhalb des Hauses. Das Ganze außerhalb der Stadt, bei der Schneidmühle; vorne die Straße, hinten die Hofäcker und nebendran die Scheune des Johann Eckert, mit dem Recht des Wasserbezuges aus dem Pumpbrunnen, der in den Bierkeller des Wilhelm Fey ragt.
Das alles ersteigerte sich der ledige Joseph Emil Grimm zum Preis von 3.000 Mark. Das Spital hatte die Haus Nr.165

Nachtrag von Otto Spengler

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